Österreich ist international betrachtet ein „Maultrommelland“, so wie auch Norwegen, Sizilien in Italien, Sakha-Jakutien im Fernen Osten Russlands, Karnataka in Süd-Indien und die Ainu auf Hokkaido, Japan.
Die ältesten Maultrommeln in Österreich sind seit dem Spätmittelalter archäologisch belegt (ab dem 13.–15. Jhdt.) und zeigen eine kontinuierliche Entwicklung verschiedener Bauformen bis in die Neuzeit. Seit 1679 gibt es eine Handwerksordnung der Maultrommelschmiede und eine weltweit berühmte Maultrommelproduktion an der Eisenstraße in Molln (OÖ).
Ein Höhepunkt der Maultrommelkultur war im 18. Jhdt. als unter Maria Theresia – so wird es ihr nachgesagt – das Maultrommelspiel als unsittlich verboten wurde (es wurde beim „Fensterln“ verwendet), als der Komponist Johann Georg Albrechtsberger Konzerte für Mandora und Maultrommel schrieb, als der Pinzgauer Maultrommmelvirtuose Franz Paula Koch vor Goethe und dem englischen König spielte, und als der Arzt und Szene-Guru Franz Anton Mesmer für seine spirituellen Seancen einen förderlichen musikalischen Hintergrund suchte und ihn im Glasharmonium fand und seine Nachfolger wie Justinus Kerner für ihre Musiktherapie die Maultrommel einsetzten.
Im 19. Jhdt. unterlag die Maultrommel dem Siegeszug der Mundharmonika und in der industriellen Revolution siegte Quantität über Qualität, wodurch es für Profimusiker weniger attraktiv wurde, Maultrommel zu spielen.
Erst mit dem wachsenden Interesse an echter Volksmusik, an „Ethno“, „World Music“ und an Experimentalmusik wurde das Obertoninstrument Maultrommel zusammen mit Didgeridoo, Alphorn und Obertongesang wieder entdeckt. Heute findet man die Maultrommel hierzulande in der Volksmusik, in der klassischen Musik und auch in der modernen österreichischen Musikszene.


